Größen & Passform
Hemdgröße bestimmen: Kragenweite, Ärmellänge, Schnitt
Hemdgröße bestimmen: Kragenweite und Ärmellänge richtig messen, US-Größen wie 16 34/35 verstehen, Body, Slim oder Regular Fit wählen und die Passform prüfen.
Ausgabe 01Herbst 2026
Wie sollte ein Anzug sitzen? Prüfe Schultern, Kragen, Brust, Knopfposition, Ärmel, Sakkolänge und Hose vor dem Spiegel – und was ein Schneider ändern kann.
Ein Anzug sitzt gut, wenn die Schulternähte an der Außenkante deiner Schultern enden – ohne Dellen oder Überhang –, der Kragen am Hemdkragen anliegt, das geschlossene Sakko sich ohne X-förmigen Zug über der Brust schließt, die Ärmel ein wenig Hemdmanschette zeigen, das Sakko dein Gesäß bedeckt und die Hose an der Taille sitzt und sauber auf den Schuh fällt. Die Schultern sind am wichtigsten, weil sie sich am schwersten ändern lassen; fast alles andere kann ein Schneider anpassen.
Nutze diesen Ratgeber in der Umkleidekabine vor einem großen Spiegel – und trag dabei das Hemd und die Schuhe, die du später zum Anzug tragen würdest.
Herrensakkos werden nach Brustumfang bemessen. In Deutschland, Kontinentaleuropa und Italien entspricht die Größe etwa dem halben Brustumfang in Zentimetern (50, 52); in den USA und Großbritannien ist sie der Brustumfang in Zoll (40, 42). Eine US/UK 40 entspricht ungefähr einer EU 50. Der Konfektionsgrößen-Umrechner übersetzt Größen zwischen den Systemen.
Miss Brustumfang, Schulterbreite und Ärmellänge vor dem Einkauf – wie das geht, zeigt unser Ratgeber Körpermaße messen. Achte außerdem auf die Längenvariante: Kurz-, Normal- oder Langgröße, je nach Körpergröße und Armlänge.
Die Schulternaht sollte an der Außenkante deines Schulterknochens enden.
Die Schulterpassform lässt sich kaum ändern. Stimmen die Schultern nicht, probier eine andere Größe oder einen anderen Schnitt.
Der Sakkokragen sollte rundum flach am Hemdkragen anliegen. Steht er im Nacken ab oder rollt sich weg, wenn du natürlich stehst, passt das Sakko nicht zu deiner Haltung oder deinen Schultern. Manche Kragenprobleme lassen sich beheben, doch dafür braucht es einen versierten Schneider.
Schließ den oberen Knopf (beim Zweiknopfsakko) oder den mittleren Knopf (beim Dreiknopfsakko).
Ein X-förmiger Zug bedeutet, dass das Sakko an Taille oder Brust zu eng ist. Große Falten aus losem Stoff zeigen, dass es zu groß ist.
Schau über die Schulter in den Spiegel oder bitte jemanden um einen Blick. Der Rücken sollte glatt sein, ohne waagerechte Wellen (zu eng) oder senkrechte Falten (zu viel Stoff). Hat das Sakko Schlitze, sollten sie im Stehen geschlossen fallen.
Bei natürlich hängenden Armen endet der Sakkoärmel meist etwa am Handgelenkknochen, sodass ein wenig Hemdmanschette – rund ein Zentimeter oder etwas mehr – hervorschaut. Das ist eine der einfachsten Änderungen, es sei denn, die Ärmel haben echte, aufknöpfbare Knopflöcher an der Manschette; dann ist das Kürzen nur eingeschränkt möglich.
Ein klassisches Sakko bedeckt das Gesäß. Eine weitere traditionelle Probe: Bei entspannt hängenden Armen endet der Saum etwa auf Höhe der Handmitte. Kürzere Sakkos wirken moderner, können bei großen Männern die Beine aber kürzer erscheinen lassen. Die Sakkolänge lässt sich praktisch nicht ändern, ohne die Proportionen aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Eine Anzughose sollte an der Taille sitzen, ohne dass ein Gürtel sie hochhalten muss. Zwei Finger sollten bequem in den Bund passen. Die Leibhöhe – der Abstand vom Schritt bis zum Bund – sollte dir erlauben, zu sitzen und Treppen zu steigen, ohne dass die Hose zieht.
Der Stoff sollte über dem Gesäß fallen, ohne durchzuhängen oder zu spannen. An den Oberschenkeln brauchst du Bewegungsfreiheit, ohne dass der Stoff klebt oder im Stehen Querfalten zeigt.
Das Bein sollte in einer sauberen Linie von der Hüfte bis zum Schuh fallen. Der Stand – der Knick, wo die Hose auf den Schuh trifft – ist Geschmackssache:
| Stand | Wirkung | Saumposition |
|---|---|---|
| Kein Knick | Scharf, modern | Berührt gerade eben den Schuh |
| Leichter Knick | Klar, vielseitig | Eine kleine Falte vorn |
| Mittlerer Knick | Traditionell | Eine deutliche, einzelne Falte |
| Voller Knick | Sehr traditionell | Tiefe Falte; kann bei schmalen Schnitten nachlässig wirken |
| Einfach und günstig | Möglich, mehr Aufwand | Sehr schwierig oder nicht lohnend |
|---|---|---|
| Hose kürzen | Hosenbeine schmaler machen | Schulterbreite |
| Ärmel kürzen oder verlängern (bei genug Stoff und ohne echte Knopflöcher) | Sakko an der Taille enger oder weiter machen | Sakkolänge |
| Hosenbund enger oder weiter machen (im Rahmen der Nahtzugabe) | Kragen anpassen | Knopfposition versetzen |
| Einen Knopf versetzen | Revers verschmälern (lohnt selten) | Ein Sakko retten, das zwei Größen zu groß ist |
Die Faustregel: Kauf nach Schultern und Brust, lass den Rest anpassen.
Wie formell der Anzug sein muss, hängt davon ab, wo du ihn trägst. Ein Anzug in dunklem Navy oder Anthrazit deckt Business, Hochzeiten und Abendveranstaltungen ab, während hellere Farben und eine weichere Verarbeitung zu Anlässen am Tag und im Sommer passen. Unser Ratgeber Dresscodes erklärt hilft dir, den Anzug auf die Einladung abzustimmen. Gehört ein Anzug zu deiner Alltagsgarderobe, sieh dir an, wie er sich in eine Capsule Wardrobe für Herren einfügt.
Zu groß kaufen, „weil es bequemer ist“. Ein zu großes Sakko wirkt wie geliehen. Ein gut sitzender Anzug ist meist sogar bequemer, weil er sich mit dir bewegt.
Nach der Taille statt nach den Schultern wählen. Die Taille lässt sich enger machen, die Schultern lassen sich nicht so einfach korrigieren.
Den Sitztest auslassen. Setz dich in der Kabine in Hose und Sakko hin. Zug an Oberschenkeln oder Gesäß zeigt sich sofort.
Das falsche Hemd zur Anprobe tragen. Hemdkragen und Manschetten beeinflussen, wie Sakkokragen und Ärmel wirken. Bring ein Hemd mit, das gut sitzt.
Die Haltung ignorieren. Wenn du vor dem Spiegel anders stehst als im echten Leben, wirkt die Passform im Alltag anders. Steh ganz natürlich.
Die Passform lässt einen erschwinglichen Anzug teuer und einen teuren Anzug nachlässig aussehen. Starte mit der richtigen Größe, gib den Schultern Vorrang, prüf die Details vor dem Spiegel und plane ein kleines Budget für den Schneider ein – genau diese kleinen Anpassungen machen einen Anzug zu deinem.
Auf die Schultern. Sie lassen sich am schwersten und teuersten ändern. Ein Sakko sollte deshalb zuerst an den Schultern gut sitzen, bevor du auf irgendetwas anderes achtest.
Sakkoärmel enden meist etwa am Handgelenkknochen, sodass bei locker hängenden Armen rund ein Zentimeter oder etwas mehr der Hemdmanschette zu sehen ist.
Ein klassisches Sakko bedeckt das Gesäß. Bei entspannt hängenden Armen endet der Saum typischerweise etwa auf Höhe der Handmitte; moderne Schnitte können etwas kürzer ausfallen.
Das ist Geschmackssache. Kein oder nur ein leichter Umschlagknick wirkt modern und klar, ein mittlerer Knick eher traditionell. In Falten auf dem Schuh aufstauen sollte sich die Hose nicht.